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Ortsname, Einwohner und Brunnen

Ortsname

Prof Udolph hat im Radio MDR Thüringen auf die Frage nach einer Erklärung des Ortsnamens wie folgt geantwortet:

"Im zweiten Teil des Namens steht born, dem vor allem im Hochdeutschen Brunnen enspricht. Es bedeutet ursprünglich "Quelle, Quellwasser", erscheint aber auch verschiedentlich als Name für kleinere Bäche. A. Werneburg ging noch davon aus, es handele sich um einen Namen "wohl neueren Ursprungs". Wahrscheinlich dachte er an den biblischen Namen Salomon, der hier vorliegen dürfte. F. Weisser folgt diesem nicht, sondern denkt eher - und überzeugend - an einen alten deutschen Vornamen Salaman, der wie Salubald, Salager, Salumer unter anderem schon Jahrhunderte zuvor belegt ist. In dessen zwei-ten Teil steht man wie in Hermann und anderen Vornamen. Die Herkunft des ersten Teils ist umstritten: Man denkt an althochdeutsch salo "dunkel, fahlgrau, schwarz", auch an gotisch salj-, althochdeutsch sala "Übergabe", mittelhochdeutsch sal "rechtliche Übergabe eines Guts", auch an germanisch *sala- "Saal, Halle".

Auch weitere Ortsnamen in Deutschland und Österreich enthalten diesen Vornamen, zum Beispiel Sallmanskirchen bei Erding, Salmannsleiten in Oberösterreich, Salmshausen, alt Salmanneshusun, in Hessen.

Der Ortsname bedeutet also so viel wie "Quelle, Bach eines Salman". 

Und hier können Sie die Antwort auch hören.

Heute ist der Ortsname als sebstständige Bezeichnung verschwunden. Salomonsborn ist nur noch ein Ortsteil von Erfurt.

Und wer hier ein Wappen des Ortes sucht wird enttäuscht sein. Es gibt keins.

Das Dorf entsteht

An der Wegekreuzung Bindersleben-Tiefthal und Alach-Gispersleben in einer Senke der abfallenden Hochfläche entstand das Dorf. Der oberhalb des Dorfes entspringende Bach, hier befindet sich die Wasserscheide Elbe-Weser, und die geschützte Lage waren günstige Voraussetzungen. Das in unmit-telbarer Nähe liegende Dorf Hohenwinden wurde durch kriegerische Auseinandersetzungen immer wieder zerstört. Seine Bewohner siedelten sich auch in Salomonsborn an. So vergrößerten sich die nutzbaren Ackerflächen.

 

Hier im Tal, zwischen Bäumen und Büschen, am Bach oder Born, hatte der Salman seine Hütte errichtet. Zuerst reichte der Bach als Spender für das lebenswichtige Nass, später kam ein steingefasster Brunnen dazu, genau wie ein Teich mit Fischen. Wenige Häuser aus einfachem Fachwerk, mit Stroh gedeckt wurden nach und nach errichtet. Mensch und Vieh, Vorräte und Gerät unter einem Dach. Später ent-standen Nebengebäude um das Haus, Gärten und Weideflächen. Anstelle von Laub- und Nadelbäumen, die als Bauholz und zum Heizen gebraucht wurden, pflanzten die Bauern Fruchtbäume, damit der Schutz vor den rauen Winden auf der Höhe weiterhin gegeben war. Fruchtbäume, so wurden damals Quitten, Birnen, Äpfel und Walnüsse und als Strauch Schlehen, Zwetschgen und Haselnüsse, bezeichnet. Am Bach wurden Weiden für den Korbflechter angepflanzt. Am Bach war unterhalb des Dorfes die Flachsröste und die Rasenflächen wurden als Flachsbleiche genutzt.

Wie hätte das ursprüngliche Dorf vielleicht aussehen können?

Im 15. Jahrhundert waren etwa 15 Hofstellen vorhanden. Zu Beginn des 30 jährigen Krieges werden 37 zinspflichtige Hofstellen verzeichnet, danach nur noch 27.

Auf den Ackerflächen, noch als Drei-Felder-Wirtschaft bearbeitet, wuchsen Getreide, Lein (Flachs) und Waid. Der Acker wurde als Winterfeld, Sommerfeld und Brache bewirtschaftet. Die Weideflächen für das gemeinsame Vieh, vom Hirt oder Hutmann gehütet lagen zwischen den Ackerflächen. Auf den Flächen, die nach Süden abfallen, wurden Weinreben gepflanzt. Mit dem Auftreten der Reblaus ging der Weinanbau zu Ende und auch der Waidanbau war nur bis 1615 nachweisbar. Einige Weinrebflächen wurden mit Süßkirschen bepflanzt, andere wurden zu Ackerflächen. Dies lässt sich aus eini-gen Flurnamen ablesen.

Die Einwohner

Aus der frühen Besiedlungsgeschichte sind keine Zahlen über die Größe des Dorfes, also Häuser und Einwohner bekannt. Erst mit der Einführung der "Verrechten", einem Steuer- und Zinsregister, werden Namen und Beruf der steuerpflichtigen Einwohner, ihr Besitz an Gebäuden, Feldern und mögliche finanziellen Belastungen aufgelistet. Das Deckblatt der Verrechten hatte folgendes Aussehen:

 

 

 

 

 

Diese Skizze entstand nach dem Original, das sich im Erfurter Stadtarchiv befindet. In diesen Ver-rechten befindet sich auch der Hinweis über "die hohen Windische Fluhr" und das bereits nicht mehr existierende Dorf Hohenwinden. Ins-gesamt weichen die Verrechten von 1604, 1620 und 1670 stark vonein-ander ab. Das betrifft zum einen die Zahl der Hofstellen und zum anderen die Namen der Besitzer.

Die Auswirkungen des 30jährigen Krieges sind nicht zu übersehen.

 

 Folgende Namen, sortiert nach den Vornamen, werden 1604 aufgezeichnet:

Balzer Stieffel, Bastian Völcker, Christof Westhaußen, Christoffel Volcker, Curdt Lappe, Görge Rese, Hans Gansert d alte, Hans Gansert Jun., Hanns Ziehn, Hanns Kluege, Heine Burghardt, Hanns Ziehn, Hanns Möller, Hanß Biehme, Heinz Range, Heinze Rang fraw, Hanns Apell, Heine Kraußhar, Hanns Möller d Alte, Hanns Burghardt, Hanns Meinerdt d. Junge, Hans Meinerdt d Alte, Henken Braun, Jacob Große, Katharina Winnemund von Alich, Katharina Burghard, Largus Burghardt, Leonhardt Ziehn, Merten Kluege, Michel Range, Merten Range, Merten Möller, Nickel Müller, Ulrich Gansertt, Valten Gernerdt, Volgmar Westhaußen, Wendel Range, Wendel Apell. 

Insgesamt 37 Hofbesitzer mit 16 Familiennamen.  Apell, Biehme, Braun, Burghardt, Gansert, Gernerdt, Große, Kluge, Kraußhar, Lappe, Meinerdt, Möller, Range, Rese, Völker und Ziehn.

Bereits 1620 haben sich die Namen verändert.

Catharina Wenkarhts, Claus Asmus, Elsa Bruns, Engula Hildebrandts, Hans Gansert, Hans Hübner, Hans Klug, Hans Meyffert Sen., Hans Meyffertt Junior, Hans Zien amberg, Hans Zien Jun:, Hans Ziens Senior, Heine Linck, Heine Valcker, Jacob Groß, Merten Porkartt, Merten Rang Jun., Merten Rangen sen., Michell Fleischhauber, Michell Rang senior, Nicoll Gansert, Nicoll Möller, Regina Bohnen vitua, Regina Marggraffen, Regina Rangen vitua, Runquinta Kampf, Thomas Dunckel.

Neue Namen sind dazu gekommen und bereits bekannte geblieben. Die Zahl der Hofbesitzer hat sich verringert von 37 auf 27. Und nach den Verrechten von 1670 ergibt sich eine Verringerung auf 18 Höfe mit folgenden Besitzern:

Hannß Kolbe, Nicol Marggraffen, Heinrich vulgs Ritze Burckart, Nicol Burckart, Barbara Burckarts, Martin Gansert, Heinrich Gansert, Martha Alta Heinrichs Lincken, Thomas Marggraff, Michael Zien, Aleta Hannß Zien jun:, Andreas Aßmus, Ehrendreich Sturlmacher, Hannß Conrad Ziegler, Michel Burkhardts, Hannß Martin Eberhard, Hl. Johann Möller, Pastor zu Notleben, Alta Andres (Martha) Türcken. 

Von diesen Namen sind bis heute die Nachfolger von Kolbe, Burghardt und Ziegler in Salomonsborn nachzuweisen.

In den Verrechten von 1620 werden auch Berufe aufgeführt. Hinter vielen Namen steht neben Acker-mann auch Weinmeister, Weingärtner, Braumeister, Bäcker oder Schneider. Die Verrechten von 1670 weisen keine Weinmeister mehr aus und der jährliche Zins in Wein wird in Korn oder Geld verändert. 

Weil die Stadt Erfurt und die Erfurter Dörfer dem Mainzer Churfürsten und seinem Stadthalter den Treu-eid ablegen mussten, sind aus diesen Aufzeichnungen auch Namen verfügbar. 

Verzeichnus

Derer Dörfer, so den27.May6. Juny  Anno 1667

auf dem Petersberg zu Erffurth Ihro Churfürstlichen Gnaden zu Maintz, Unserm gnädigsten Herrn die Huldigung Abgelegt haben

Salomonsborn: Nicol Marggraff, Ritze Burckhart, Andreas Aßmus, Hanns Gansert, Hanns Ziehn jun., Hanns Ziehn sen., Thomas Marggraf sen., Thomas Marggraf jun., Nicol Burckhardt, Hanns Kolbe, Heine Lincke, Martin Gansert, Ritze Gansert, Andres Türckhe.

14 Einwohner haben 1667 dem Churfürsten gehuldigt; 1670 gab es bereits wieder 18 Höfe.

Vielleicht haben nicht alle Einwohner an der Huldigung teilgenommen?

 

Einwohner, Hofstellen und andere statistische Angaben:

Jahr     Seelen  Nachbarn        Anspänner      Hintersättler    Witwen

1604                           37

1640                           27

16678                              14

1670                           18

1709                           37

1718                           35

1725                           42

1739                           47

17898  138                 43

17901   132

1797                                                       3 geb. 5 gest.

1800    138                 43                    23                    13                    8

1805                            35

1815                            28

1816    150

18215  150                  43

18234   150

18251  166                  41

18412   181ev./1kath.40    Schule 12 Knaben, 15 Mädchen

1843    194

18493  170                  41

18547  183

1861    191                  44                    26                    18                    10

18646  198 einschl. Militär

1871    198                  47

1875    182                  46 davon 5 Häuser unbewohnt, 6 Feuerwehrmannschaften

1895    202

1898    192                  55

1906    207

1910    205

1930    227                  58

1933    219

1939    207

1952    227

1954    203

1981    152, davon 32 unter 17 Jahren

1989    175

1990    853 (Alach, Salomonsborn und Schaderode)

1995    404

1996    680

1997    921

1998    953

1999    975

2000    1031

2001    1089

2002    1089

2003    1110

2004    1110

2005    1088

2006    1113

2007    1119

2008    1090

2009    1114

2010    1117

2011    1102         

2012    1081                418 Haushalte

 

1 aus “Vollständige Staats,- Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“, Band 18, von August Schumann, von 1833, Seite 653 - 1716 Acker Feld, 13/4 A. Wiesen, 11/2 A. Ried, 461/2 A. Holz, 2319/48 A. Garten - 18 Stck. Zugvieh, 37 Kühe, 152 Schafe

2 aus “Ausführliche geografisch-statistisch-topografische Beschreibung des Regierungsbezirkes Erfurt” von Carl August Noback, von 1841 - 181 ev. und 1 kath. Einwohner, 40 Häuser, 54 Ställe und Scheuern, 1 Schankwirt, 2 Hausschlächter, 1 Zimmermann, 1 Korbmacher, 1 Leineweber, 4 Knechte, 6 Mägde - 1784 Morgen, davon 1678 Arthland, 29 Garten, 48 Wiesen, 21 Unland, 8 Privatwald - 1Acker = 160 quadrat Ruthen preuß. - 3 Pferde, 98 Rinder, 278 Schafe, 12 Ziegen, 31 Schweine

3 aus „topografisch-statistisch-historisches Lexikon von Deutschland von Eugen Huhn S. 751

4 aus „Neues Topografisches –statistisches-geografisches Wörterbuch des preußischen Staates“ von Dr. Leopold Krug Halle 1823

5 aus „Vollständiges topografisches Wörterbuch des preußischen Staates“ von J:D:F: Rumpf 1821

6 aus „Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Erfurt“ Berlin   1866

7 Handbuch der Provinz Sachsen 1854 S. 320

8 Mitteilungen des Vereins für Geschichte Erfurt

Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates 1873, Volkszählung am 1.12.1871 

Born oder Brunnen

auf jeden Fall Wasser, sonst wäre der Ort nicht entstanden. Aus dem ersten Dorfbrunnen sind später mehrere öffentliche Brunnen geworden. Es waren offene Brunnen, die im unteren Teil aus dem hier vorhandenen Kalkstein mühevoll ausgehauen wurden. Der obere Teil wurde gemauert. 1874 werden die beiden Brunnen wie folgt beschrieben:

Der Dorfbrunnen ist mit festen Steinen und Platten ausgemauert, nicht verdeckt, sondern es ste-hen vier hohe Platten als Einfassungsmauer über der Wasserfläche. Die  Unterhaltung liegt der Ge-meinde ob. Alljährlich wird er von der Nachbarschaft resp. Einwohnern gereinigt, wofür pro Mann 2 Liter Einfachbier erhält. Der Herrenbrunnen ist mit festen Steinen ausgemauert, und nur halb ver-deckt, so das noch kann geschöpft werden. Die Unterhaltung liegt der Gemeinde ob und wird von nächst wohnenden Einwohnern alljährlich gereinigt, wo für jeder 2 Liter Einfachbier erhält.

Die offene Bauweise hatte Vor- und Nachteile.

Mit Eimer und Leine wurde geschöpft und mit zwei Eimern am Trageholz das Wasser nach Hause gebracht. Jeder konnte so viel Wasser entnehmen, wie er brauchte. In trockenen Jahren konnte es vorkommen, dass der Zufluss in die öffentlichen Brunnen gering war. So entstanden auch in den Hofstellen eigene Brunnen.

Aber durch die offene Bauweise fiel manches in den Brunnen. Blätter von den Bäumen, Stroh und Heu, auch mancher Einwohner nach dem Besuch in der Schenke. Also wurde festgelegt, jährlich die Brunnen zu fegen. Ein ausführlicher Bericht über die Brunnenfege steht in der Broschüre von Familie Kirschnick, die auch unter Druckschriften zu sehen ist.

Bei der Brunnenfege wurde zuerst mit viel Aufwand versucht, den Wasserspiegel soweit abzusenken, damit ein junger Bursche darin stehen konnte. Weil das in dem kalten Wasser keine Freude war, wurde jährlich der „Bornmann“ gewechselt. Die Innenwände wurden mit Reisigbesen abgekehrt, das Schwemmgut und möglicher Schlamm so gut es ging beseitigt. Nach getaner Arbeit wurde in fröhlicher Runde das vom Schulzen gespendete Bier getrunken. Daraus ist unser heutiges Brunnenfest ent-standen. Später wurden die Brunnen überdeckt und es brauchte nicht mehr gefegt zu werden. Aber in den oft kalten Wintern froren die Pumpen zu und mussten erst aufgetaut werden.

In verschiedenen Gehöften wurden eigene Brunnen gegraben; nicht immer mit Erfolg. In den Steuerunterlagen ist bisweilen auch von einem Brunnenhaus die Rede. Bis 1896 gab es nur die beiden öffentlichen Brunnen zur Wasserversorgung. Die Bewohner der Bachstraße hatten sich auf eigene Kosten in diesem Jahr eine Wasserleitung gelegt. Das überschüssige Wasser aus dem Dorfbrunnen lief in eine Zisterne und von hier in jedes angeschlossene Gehöft. Weil es damals noch keine Wasseruhren gab, wurde ein vereinfachtes Abrechnungsverfahren für den Wasserverbrauch gewählt. Alle Bewohner eines Gehöfts, auch die Kinder, zählten als eine Einheit, wie auch Pferde und Kühe; nur die Ziegen zählten eine viertel Einheit.

Das spornte die Bewohner des Oberdorfes an, also diejenigen die oberhalb des Brunnens wohnten, auch eine Wasserversorgung zu bauen. Dazu musste jedoch eine Pumpenstation gebaut werden einschließlich von drei Versorgungsleitungen. 1913 war es soweit und alle Grundstücke in Salomons-born besaßen einen Wasseranschluss; jetzt aber mit Wasseruhren. 

An die Wasserleitung im Oberdorf schlossen an:

                                               Name               Pferde  Rindvieh      Kleinvieh

                         Strang 1:      Krähmer            4          15                    12

                                               Heinemann       1          8                       8

                                               Freitag                -           -                      11

                                               Bartholomäus   2          12                    6

                                               Wächter             2          10                   10

                                               Müller                2          12                    12

                        Strang 2:       Pause                 -           5                       6

                                               Hoffmann         -           7                       6

                                               Ziegler              4          15                    12

                                               Gärtner             -           7                       8

                                               Dunkel             2          12                    10

                                               Kamm              2          12                    10

                        Strang 3:       Kästner             -           8                      10

                                               Wenk               1            2                      6

                                               Schall               -             4                      6

                                               Klein                2            6                       8

                                               Weishaupt      2            4                     12

                                               Schmidt           -            4                       6

                        Bemerkungen: 3 Stück Kleinvieh zählen als 1 Stück Großvieh.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Dorfbrunnen                                                              Herrenbrunnen

 

 

Die beiden Schwengelpumpen vom Dorfbrunnen unter dem Vordach und Herrenbrunnen wurden zur Vermeidung von Frostschäden im Herbst abgebaut.                    

Die beiden öffentlichen Brunnen haben heute keine Trinkwasserqualität mehr. Das sollten alle Nutzer beachten, auch wenn inzwischen die Hinweise "Kein Trinkwasser" nicht mehr vorhanden sind.