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Brauhaus, Schenkhaus und Backhaus

Das Brauhaus

Von dem eigentlich als Brau- und Schenkhaus bezeichneten Gebäude/n ist heute nichts mehr vorhan-den. Der Ausschank des hier gebrauten Bieres war den Erfurter Biereigen ein Dorn im Auge. Der Erfur-ter Rat verfügte, das zum Brauen benötigte Malz muss aus Erfurt bezogen werden und außerdem muss-ten unter Strafandrohung die Dörfer des Erfurter Gebiets ein bestimmtes Maß Erfurter Bier abnehmen. So heißt es:

Patent, die Abholung des großen Biers aus hiesiger Stadt in die Voigteylichen Dorffschaften betreffend, vom 30. Januarii 1704

...ihnen sampt und sonders noch und zum letzten mahl bey Vermeidung obangezogener Straffe, und der bey der Land-Einnahme dißfalls befohlen und besthehender Hemmung der Brau-Zettel bedeutet, die ihnen in beygefügter Spezification zugetheilte Eymer-Anzahl grossen Bieres ... Salomonsborn 10 Eymer. 

Decretum Erffurdt, den 30. Januarii 1704

Ein Eimer war eine Maßeinheit für Flüssigkeiten und bedeutet als Biermaß 73,65 l.  

In den im Stadtarchiv Erfurt aufbewahrten Verrechten von 1670 steht neben den hier eigentlichen An-gaben zu Haus und Hof folgender Vermerk:

a° 1696 Braurecht undt Brauhauses, wie solches bißhero grundlich erwiesen undt durch unter-schiedl. urteil erhalten, aber biß dato wegen der Nützung undt Exercity defacto verhindert wirt, unterm praetext, alß ob gegentheil nuhnmehr von 2 Jahren an das Kaÿserliche Cammergericht       zu Speÿer appeliret.

        und weiter in der gleichen Quelle: 

Ein Hauß, Hof, Scheun, Ställe beneben einem Brauhause Item 21/4 a. Garten, in welchen undt am auch deßen ein Schenckhauß, so mit einer Mauer umbfangen, gestanden, aber nuhnmehro wüste lieget:

Brauhaus und Schenkhaus sind, wie viele Gebäude auch, durch den dreißigjährigen Krieg zerstört wor-den. Dennoch ist das Brauhaus später wieder errichtet worden.  

1719 hat die Gemeinde Salomonsborn ein neu Brauhauß aufbauen lassen for den Malte. Der Zim-mermann hat Macherlohn bekommen 22 Thaler. 1720 hat die Gemeinde eine neue Braupfanne machen lassen, kostet 99 Thaler. Sie haben die alte Braupfanne angegeben. 

Im Jahr 1841 ist jedoch das alte und baufällige Brauhaus abgebrochen und mit dem vorhandenen Gerät-schaften verkauft worden.

Ungeachtet dessen wurde weiterhin gemeinschaftlich Bier getrunken. In einem größeren Wohnhaus wurde ein entsprechender Raum eingerichtet und die Hausherrn nannten sich dann Gastwirt. Aus deren Namen lässt sich ablesen, in welchem Hause eine "Wirtschaft" war. Bereits 1725 wird Johann Georg Burckart in Haus Nr. 8 als Wirt genannt. Daneben stand das Brauhaus Nr. 9. Als Wirt folgt 1748 sein Sohn Johann Philipp Burghardt. (Der Familienname wird, wie oft in alten Unterlagen, bereits anders geschrieben.) Offenbar ist das Amt in der Familie geblieben, denn 1826 wird Johann Nicol(ai) Burghardt verzeichnet. Von 1831 übernimmt im wieder aufgebauten Schenkhaus Paul Heinrich Gärtner die Wirt-schaft bis 1838. Dann wird es baufällig. Jetzt wird in Nr. 1 bei Friedrich Ernst Kästner bis 1883 eine Wirtschaft mit Tanzsaal eingerichtet, bevor Ferdinand Weishaupt in Haus Nr. 51 sein Gasthaus eröffnet und dieses bis zum Neubau des Gasthauses "Hohe Warte" 1913 von Richard Kolbe führt. Im Gasthaus "Hohe Warte" folgen als Gastwirte auf Richard Kolbe, Oswald Lange, Monika König und nach Unterbrechung Familie Focke. Auf alten Postkarten von Salomonsborn sind die beiden letztgenannten Gasthäuser abgebildet.

Das Backhaus

Als wichtiges Gebäude, allgemein als "Backs" bezeichnet, war es Gemeindeeigentum und wurde  von allen Einwohnern des Dorfes genutzt. Es befand sich zuerst im unteren Teil des Dorfes am Bach und dem alten Dorfbrunnen. Wegen der Feuergefahr war es alleinstehend auf der Stelle des späteren Wohnhauses Nr. 17. Mit dem Neubau des Gemeindebackhauses 1744 als Nr. 37 am späteren Lindenplatz wurde das erste Backhaus abgerissen. 100 Jahre später erfolgte ein Neubau, der bis 1964 als Gemeindebackhaus genutzt wurde. Danach wurde der Backofen herausgerissen und hier die Konsum-Verkaufsstelle eingerichtet und bis 1992 genutzt. Heute ist dieses Haus nach Umbau ein privates Wohnhaus. Weil es keine Fotos des inneren Backraums gibt, auch hier eine Skizze.

 

Links neben dem Backofen waren zwei gemauerte Boxen. Unmittelbar unter dem Fenster für Kohlen, die von außen durchs Fenster geschaufelt wurden. Daneben für die Asche, die aus dem Backofen nach dem Anheizen aus dem Backraum herausgewischt wurde. Zum Anheizen wurden "Wellerchen" benutzt, Reisigbündel, die der Bäcker über dem Backofen im Dachraum zum Trocknen lagerte und bei Bedarf durch ein Loch in der Decke nach unten warf. Diese Angaben hat mir Karlheinz Backhaus gemacht, bei dem ich mich hiermit bedanke.

Als Gemeindebäcker werden genannt:

1670                                       Michael Range jun.

1775                                       Christoph Nordhauß

1874 Neubau Backhaus

1848 bis 1853                        Michael Ernst Altenburg

1875 bis 1877                        Ferdinand Weishaupt

1878 bis 1880                        Alexander Hofmann

1881 bis 1883                        Alexander Hofmann

1884 bis 1886                        Alexander Hofmann

1887 bis 1889                        Gustav Möller

1890 bis 1892                        Alexander Hofmann

1892 bis 1895                        Alexander Hofmann

1896 bis 1898                        Alexander Hofmann

1899 bis 1902                        Louis Höhne

1902 bis 1903                        Hermann Bause

1905                                        Hermann Bause

1928 bis 1930                        August Diemann

1931                                        August Diemann

                                                 Scholz

Ab 1875 wird das Backhaus gegen Gebot für ein oder drei Jahre verpachtet. Das erklärt die Mehrfach-nennung einzelner Einwohner.

 

Haus Nr. 37

Über das im Gemeindeeigentum befindliche Spritzenhaus hatte ich bereits berichtet. Ein anderes Gebäude mit der Hausnummer 37 befand sich ebenfalls im Besitz der Gemeinde. Heute ist es ein privates Wohnhaus – Am Lindenberg Nr. 9 -; aber welche Nutzung hatte es früher?

Haben Sie heute schon gefrühstückt? Toastbrot oder Brötchen vom Bäcker oder aus dem Supermarkt? Nun, heute haben wir keinen Bäcker mehr im Dorf, daher erübrigt sich die Frage; aber wir hatten einen.

Das Haus Nr. 37 war das Gemeindebackhaus, kürzer als „das Backs“ bezeichnet. Auch in der Steuerliste von 1865 wird das Gemeindebackhaus aufgeführt, das 1744 errichtet wurde und 1874 durch einen Neubau ersetzt wurde. Es wird wie folgt beschrieben: „Das Gemeinde Backhaus hier Nr. 37 ist von Fachwerk, das Dach ist mit Ziegeln in Kalk gedeckt, ist einstockig und mit Backofen, einer Stube, 2 Türen mit Schlössern und Bändern und 4 Fenster versehen“.

Und wie die Backstube ausgesehen hat, habe ich mit Unterstützung von Senioren versucht in einer einfachen Skizze darzustellen. Leider gibt es keine Fotos, oder doch?

Im hinteren Teil der Backstube, gegenüber der Eingangstür, wurde in einer gemauerten Bucht die Kohle, die durch das Fenster geschaufelt wurde, gelagert; daneben in einer anderen Bucht die Asche. Neben den notwendigen Utensilien für das Backen, wie Brotschieber, Ablagebretter für Brot und Kuchen, Wassereimer und Löschwische befanden sich die Wellerchen (Reisigbündel) für das Anheizen im Dachraum. Zur Beobachtung des Inneren des Backofens hatte dieser auf der rechten Seite ein kleines Fensterchen. Und auch der Bäcker wurde von der Dorfjugend beobachtet oder auch geärgert, wenn diese den Schieber festhielten. Die Auswirkung dieser Streiche wurde mir nur vage geschildert, aber mit einem freudigen Glanz in den Augen.

Die Namen der Bäcker sind auch überliefert. In Protokollen der Gemeindesitzungen heißt es:

„Das Backhaus ist verpachtet vom 1. Januar 1875 bis 31. Dezember 1877 für jährlich 20 gr [Groschen] an den hiesigen Einwohner Ferdinand Weishaupt. Die Unterhaltung liegt der Gemeinde ob. Das Backhaus ist verassekuriert [versichert] mit 162 gr gleich 486 Mark. Von 1878 bis 1880 an Alexander Hoffmann für jährlich 90 Mark, an denselben von 1881 bis 1883 für 66 Mark, 1884 bis 1886 für 24 Mark, 1887 bis 1889 an Gustav Möller für 15 Mark, 1890 bis 1892 an A. Hoffmann für 19 Mark, 1892 bis 1895 derselbe für die selbe Pacht, 1896 bis 1898 zahlte derselbe keine Pacht, da er einen sprungfähigen Eber musste halten.1899 bis 1902 ist das Gemeinde Backhaus an L. Höhne für jährlich 34 Mark verpachtet. Nach Beschluss der Gemeinde wird der Pacht für 1901 und 1902 auf 14 Mark festgestellt, wegen Steigerung der Kohlenpreise und erhöhten Kosten für den Eberankauf. Von 1902 bis 1903 an Hermann Bause für jährlich 25 Mark verpachtet. Von 1905 bis ultimo an Hermann Bause für jährlich 15 M verpachtet. Das hiesige Backhaus ist vom 1. April 1931 bis 31. März 1934 an Herrn August Diemann für jährlich 15 M verpachtet. Selbiger hat auch die Hauszinssteuer zu tragen.“

Auch in den Bauernhöfen gab es Backöfen. So wird in den Unterlagen von einigen berichtet: 1862 Neubau eines Backofens im Garten von Nr. 27; 1910 Backofen bei Ziegler aufgestellt, 1916 Nr. 36 Neubau Backofen. Das ist aber alles Vergangenheit.

Nachdem im „Backs“ der Backofen 1964 abgebrochen wurde, fand im Gebäude später der Konsum eine neue Unterkunft. 1990 war dann Schluss, so dass es heute in Salomonsborn, nicht nur für Brot und Brötchen, keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gibt.

veröffentlicht im Infoborn 3. Ausgabe 10. Jahrgang/März 2014